Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte

- Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte
Von Sven Gerner
Ilija Trojanow & Juli Zeh
Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte
ISBN-10: 3446234187 oder ISBN-13: 978-3446234185
Carl Hanser-Verlag. 176 S., 14,90 €.
Nacktscanner sollen nach dem Willen des Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses Wolfgang Bosbach (CDU) auch auf deutschen Flughäfen flächendeckend eingeführt werden. In den Niederlanden sind sie seit Anfang des Jahres im Einsatz, um - so die dortige Innenministerin - die »Sicherheit der Passagiere deutlich zu verbessern«.
Wie schon bei der Videoüberwachung des öffentlichen Raums, dem Reisepass mit biometrischen Daten oder der Vorratsdatenspeicherung versuchen Politiker mit dem Schlagwort »Sicherheit« Zuspruch für ihre grundrechtseinschränkenden Maßnahmen zu finden.
76 Prozent der Deutschen geben an, dass die Angst haben, Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden - dabei ist es weitaus wahrscheinlicher beim Putzen des Bads oder im Straßenverkehr eines unnatürlichen Todes zu sterben. Aber keiner bekommt Gänsehaut beim Anblick seines Badezimmers und keiner kommt auf die Idee, einen Krieg gegen die internationale Automobilindustrie auszurufen.
Mit Fakten, guten Argumenten und einem Schuss Humor schreiben die beiden Schriftsteller Ilija Trojanow und Juli Zeh in ihrem Buch »Angriff auf die Freiheit« gegen Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und den Abbau bürgerlicher Rechte an. Sie veranschaulichen, dass in Deutschland bisher kein terroristischer Anschlag aufgrund verschärfter Sicherheitsgesetze vereitelt worden ist, dass viele der eingeführten Maßnahmen zum angegebenen Zweck der Terrorbekämpfung erwiesenermaßen ungeeignet sind, dass Politiker mit falschen Tatsachen argumentieren und Journalisten dazu beitragen, Furcht zu schüren.
Wer nichts zu verbergen hat, hat alles verloren
Die Autoren warnen: Ein Machtmittel, das eingeführt wurde, um Terroristen zu bekämpfen, kann problemlos auf auch Demonstranten und Aktivisten hierzulande gerichtet werden. Das haben die Paragraph 129a-Verfahren gegen G8-Gegner gezeigt. Der Wendung »Ich hab ja nichts zu verbergen«, setzen sie entgegen: »Wer nichts zu verbergen hat, der hat bereits alles verloren«, und raten dem Leser, seine Geheimnisse zu verteidigen, sie gehören schließlich ihm. Ihr Buch verstehen sie als einen Aufruf zum Handeln. Der Kampf um unsere Freiheit und unsere Privatsphäre müsse sofort beginnen, bevor es zu spät sein wird, Widerstand zu leisten, meinen die beiden Bürgerrechtler abschließend.
Wer mehr von ihnen lesen will, soll sich das Buch besorgen. Dabei kann man gleich einmal seine Widerständigkeit unter Beweis stellen und üben, wie man Datenspuren vermeidet: Weder über das Internet noch per Telefon bestellen, sondern direkt in einer Buchhandlung ohne Überwachungskameras; dort nicht seinen eigenen, sondern einen erfundenen Namen angeben und dann nicht mit Karte bezahlen und auf Treuepunkte verzichten. So ist derzeit weitgehend gewährleistet, nicht als Käufer dieses kritischen Buches registriert und damit potentiell verdächtig zu werden.
(Quelle: www.scharf-links.de/45.0.html)


